Der Um- bzw. Überdruck

 

Der Umdruck, wie der Überdruck, sind die wichtigsten, frühen Techniken des Steindruckes. Nachdem das Prinzip des Steindruck - Verfahrens von Alois Senefelder erfunden worden war, entstanden diese Techniken (1797) bei seinen Versuchen, vorhandene Druckstöcke aus dem Hoch- oder Tiefdruck auf den Stein zu übertragen, um dann davon drucken zu können. Dabei handelt es sich im ersten Arbeitsschritt um die Übertragung von Texten, Noten, einer Zeichnung oder eben eines vorhandenen Druckstockes mittels fettiger Druckfarbe auf ein speziell beschichtetes Umdruckpapier. Danach erfolgte im zweiten Schritt die erneute Übertragung / der Abklatsch auf den neuen Druckträger. So gelangte man mit diesem Verfahren zu einer neuen Druckform, oder zu weiteren Steindruckformen. Der Umdruckvorgang selbst erfordert viel Erfahrung.

Eingesetzt wurde diese Methode anfangs beim Überdruck von alten Drucken, oder noch vorhandenen Druckstöcken (Gravuren oder Holzschnitte) auf Lithografiesteine. Das Verfahren wurde auch zur Übertragung von Stein zu Stein genutzt sowie in der Chromolithographie, um Bildkonturenzeichnungen übertragen und die Teilfarben lithographieren zu können. Umdrucke waren auch vom Stein auf Zinkplatten möglich, z.B. für die Klischeeherstellung. So wurden ‚Druckdaten‘ sehr früh hin und her übertragen.

Auch um große Druckformen für den Druck von mehreren, gleichen Motiven miteinander (sogenannte Nutzen) zu ermöglichen, wurde dieses Verfahren eingesetzt. Zugleich war das auch die erste Möglichkeit, Bildkorrekturen an handpunktierten Tonwerten durch Ätzen (mit dünner Säure) auf einem Zinkklischee vornehmen zu können. Damit wurden der Punkt und der Umdruck zum Geburtshelfer der Reproduktionstechnik für alle Druckverfahren, lange bevor die Photographie erste fotomechanische Korrekturtechniken mit der Reproduktionstechnik ermöglichte.

Diese Methode wurde zeitweise sehr intensiv und noch bis in die 1960-er Jahre genutzt. Bis dahin wurde das Umdruckpapier selbst noch optimiert und Spezialmaschinen dazu auch für Größenveränderungen entwickelt. Dieses Verfahren wird heute noch ähnlich genutzt, z.B. beim Thermodruck / Stoffdruck. Es sind auch Vervielfältigungsverfahren bekannt, für kleine Auflagen von Texten mittels Schreibmaschine auf ein besonderes Übertragungspapier.